
Nachrichten aus dem Kuhstall - heute: Thessa |
Thessas Geburtstagseinladung via Facebook - oder wieviel Internet verträgt der moderne MenschEin Artikel im Stern über eine Geburtstagseinladung im Internet, der tausende folgen wollen, verstetze mich in eine "Zeitreise" - und ich landete am Küchentisch bei meinen Einladungskarten. Die wurden übrigens nicht via Facebook verschickt, sondern auf dem Schulhof verteilt. Besser? Ne, besser war es damals sicher auch nicht. Man sass am Küchentisch und schrieb Einladungskarten in Sonntagsschrift mit dem schönen Händchen. Hätte ich damals schon gewusst, wie leicht die Kids das heute haben... ich glaube, ich wäre neidisch gewesen. Einfach Geburtstagseinladungen via Facebook verschicken und schon kommen die Freunde ins Haus, geile Erfindung, ehrlich. Ein Hoch auf die Facebook Einladungen! Hat mich das angekotzt, während andere Nachmittags spielen, durfte ich diese blöden Geburtstagseinladungen schreiben. Da sass man dann, erstmal das Wachstischtuch in der Küche putzen. Unseres hatte damals coole, blaue Windmühlen, die haben wir immer auf Butterbrotpapier nachgezeichnet - entsprechend sah das auch aus. Ha, und gestritten haben wir, pausen wir nun ab, oder pauschen wir ab? Tütchen ist schon auf...Komme mir gerade vor wie in der Müller Werbung für den Milchreis "schwarzwälder Kirsch" - Tütchen ist schon auf... Also nochmal, Tischtuch war schon geputzt, Einladungskarten drüber. Und von wegen, lecker Cola, Chips oder gar Schoki auf den Tisch, haha, haben wir gelacht, nene. Nichts, weil Fettflecken oder Ränder vom Glas hat die gute, alte Karte aus Papier nicht verziehen. Jaja, so gut wie heute, hätten wir das damals vielleicht auch gerne gehabt... oder doch nicht? Nachdem wir den mütterlichen Donnerwetter weg hatten, was Essen und Trinken anging, hätte es ja eigentlich an die Arbeit gehen können, schnell was hingeschmiert, aber auch hier, liebe Facebook Gemeinde, die ihr das gar nicht mehr kennt, weit gefehlt. Auf dem Tisch wurde unter Mutters Aufsicht und Gemecker ausgebreitet: ein Lineal, ein Bleistift, ein Radiergummi und der Füller (den liebten wir alle besonders). Wenn wir Glück hatten, ging Mutter dann - wenn wir Pech hatten - und Pech war oft, setzte sie sich zu uns an den Tisch. Natürlich ausgerechnet zur wohl verdienten Kaffeepause mit Keksen, lechz... aber wir durften ja nicht... Was wir durften war Linien ziehen auf den Geburtstagseiladungen, fast unsichtbar, mit Bleistift, denn die musste man gut und zu 100% wieder wegradieren können, wenn man drauf geschrieben hatte. Die Eltern der anderen Kinder sollten ja nicht etwa denken, mein Kind könnte nicht geradeaus schreiben, wenn keine Linie da ist, oder? Lach... Und dann starrte meine Mutter, die ja nach eigener Aussage längst aus der Schule war und nicht mehr schön schreiben musste, leicht schmatzend (ich wette das machte sie extra) auf die Karte... auch das war damals anders, ich musste in der Schule aufpassen, lernen war Pflicht, aber wozu sollten die Eltern uns bis zum Abi oder gar durchs Studium füttern... wir waren ja Mädchen und die heiraten eh und kriegen Kinder. Man lernte für die Schule und für andere - denn die anderen sollen ja nicht denken, mein Kind sei dumm. Für sich selbst oder gar für die Zukunft, blödsinn, solche Vokabeln waren damals leider noch nicht erfunden. So war das, so dachte man an der Zonengrenze-West - oder hatte das mit der Region gar nichts zu tun, grübel? Hilfe, mein Kind hat plötzlich mehr als 15.000 Freunde Zurück zu den Geburtstagseinladungen - ohne via Facebook, dafür mit Füller und schmatzender Mutter... schiefes Gekritzel oder Schreibfehler verzieh das Papier nicht - tut es übrigens auch heute noch nicht, aber in dieses Gefühl, wenn es dann passiert, kann sich heute ja keiner mehr reinversetzen und auch nicht in die Ohrfeige, die es damals durchaus noch gab. Besser, nein, besser war es damals sicher nicht, aber anders Schlecht. Wir hätten mit dem Schulkopierer nie im Leben 15.000 oder mehr Einladungskarten kopieren können, aber auch gar nicht wollen, glaub ich. Der Kopierer übrigens hatte damals ein Papier, da guckte mehr Holz raus als rein, man konnte echt noch am Papier erkennen welcher Baum das mal war. Aber, liebe Kids, die heute ja alles so modern via Facebook machen, von Geburtstagseinladungen über Freunde finden die man gar nicht kennt... einen Triumph feiern wir Alten doch über euch, grins... wenn auch einen fragwürdigen! Ich hoffe, die Zeitreise hat euch gefallen, ich war gerne mal wieder in der Vergangenheit. Bis zum nächsten Mal, KlaraFall |
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Thessas Geburtstagseinladung via Facebook - oder wieviel Internet verträgt der moderne Mensch - KlaraFall - bei Licht betrachtet - exclusiv auf www.bauer-erwin.com